Der Showmaster packt aus

Jonas Steglich ist Anchorman, Stand-Up-Comedian und Talkmaster in der Late Night Show Zur Nacht Schau – in Personalunion. Im Interview erzählt von der besonderen Reihe, den Pannen, die es gab und wie eine neue Ausgabe zustandekommt.

Die ersten Ausgaben der Zur Nacht Schau sind gelaufen – wie war es für dich?

Aufregend. Es ist etwas ganz anderes als das, was man sonst macht am Theater, weil wir versuchen, das wirklich wie eine Fernsehshow zu behandeln. Das birgt natürlich auch Probleme, ich bin aber bis jetzt sehr zufrieden, weil ich finde, dass wir uns auch von Show zu Show verbessert haben und auch weiterhin versuchen Kinderkrankheiten auszumerzen. Es macht auf jeden Fall Spaß und ich bin zuversichtlich, dass es an Qualität immer noch zulegen kann.

Die Zur Nacht Schau ist ein Fernsehformat: Was hat dich an solch einem Format im Theater gereizt?

Unser Hausregisseur und “Cumberland-Kurator” Alexander Eisenach ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, eine Late Night Show am Theater zu machen. Wir haben uns dann getroffen und darüber gesprochen, was das sein könnte. Früher waren wir beide in Leipzig am Theater und dort hatten wir einen Late Night Talk, der auch Impro-Teile mit Schauspielern beinhaltete. Es gab feste Figuren und Gäste und ich war damals zwei oder drei Mal als Gast dabei. Das war aber wie ein reines Theaterformat, das dann abgefilmt wurde und ich habe mir gedacht, wenn man jetzt Cumberland in dieser Spielzeit mehr mit der Stadt verbinden und anders öffnen will, wäre es interessant, diesen Theaterort mal zu etwas anderem zu machen, nämlich zu einem Fernsehstudio. Dann konnten wir mit dem Lokalfernsehsender h1 eine Kooperation eingehen, worüber ich sehr dankbar bin. Außerdem reizt mich abgefilmtes Theater oft nicht so und dann haben wir gedacht, wenn, dann machen wir es doch gleich wie eine richtige Fernsehsendung. Das birgt natürlich auch Probleme, zum Beispiel habe ich festgestellt, dass wenn ich für eine Kamera spiele, sich das Live-Publikum manchmal ein bisschen ausgeschlossen fühlt und jetzt überlegen wir gerade, wie man das Schnittbild, das später auch im Fernsehen ist, groß in den Raum projizieren kann, damit das Publikum auch das Live-Bild noch mal sehen kann. Dann kann man gleichzeitig das Entstehen, mitsamt Regiepult usw., als auch das Fernsehbild verfolgen. Das stelle ich mir für den Theaterzuschauer dann noch spannender vor, wenn man den Entstehungsprozess und das Resultat gleichzeitig begutachten kann.

Gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen einer Late Night Show mit Studiopublikum bei der Aufzeichnung und deiner Late Night Show als Theaterformat?

Da ich noch nie bei einer Live-Aufzeichnung einer Fernsehshow war, weiß ich das nicht genau, aber ich schätze, dass es keine gravierenden Unterschiede gibt. Ich kann mir vorstellen, dass die Regie, der Schnittplatz und auch die Person, die die Bilder und Videos einlaufen lässt, nicht so offen daliegen wie bei uns. Und wir versuchen komplett ohne Schnitte auszukommen, das heißt es ist schon eine klarere Live-Situation als das das bei einer Fernsehaufzeichnung der Fall ist. Denn wenn sich da der Moderator verspricht oder der Teleprompter ausfällt, dann wird das wiederholt und geschnitten, wohingegen wir versuchen, das als einen Live-Schnitt durchzuziehen.

Bisherige Themen waren die Bundestagswahl, die Bundeswehr, der Rechtsruck in Europa und der Literaturbetrieb. Nach welchen Kriterien wählst du die Themen für die Ausgaben aus?

Die Kriterien sind eigentlich, dass wir versuchen, Themen zu finden, die zwar aktuell sind, aber nicht unbedingt im breiten Fokus der Öffentlichkeit stehen. Bei der Bundestagswahl haben wir ja beispielsweise weniger über die Bundestagswahl als solche gesprochen, als über Wahlwerbung, wie sie aussieht und wie sie uns manipuliert. Und bei der Bundeswehr hat mich interessiert zu recherchieren, was eigentlich die Abschaffung der Wehrplicht für Folgen hatte und ob es andere Modelle gibt, über die man mal nachdenken sollte. Denn mittlerweile ist das, wie die Recherche und die Sendung dann auch gezeigt haben, eine ziemlich marode Truppe. Und auch bei der Visegrád-Gruppe, dieser Block von rechtspopulistisch regierten Staaten im Osten Europas, der sich gegen Zuwanderung und die EU-Flüchtlingspolitik stellt, hatte ich das Gefühl, dass das Thema total wichtig ist und bestimmend sein müsste, aber in unserer Berichterstattung nicht wirklich vorkommt. Darüber, dass zum Beispiel ein komischer zwielichtiger Milliardär tschechischer Präsident geworden ist, habe ich in den traditionellen Nachrichtenkanälen keine großen Berichte gehört. Deswegen war da die Recherche auch gar nicht so einfach. Aber ich finde, dass das wichtige Themen sind, die aber ein bisschen aus dem Fokus geraten und wo ich das Gefühl habe, dass man den Zuschauern auch etwas Neues erzählen kann, was eben nicht immer in den normalen Nachrichten läuft. Und es sind trotzdem Themen, die man unterhaltsam aufbereiten kann. Die letzte Zur Nacht Schau war jetzt eine kleine Ausnahme, weil wir mal versuchen wollten, wie es ist, einen Gast zu haben. Ich kenne Clemens Meyer, der ja da war, noch aus Leipzig, und wir haben dann auch weniger über den Literaturbetrieb gesprochen in der Sendung als vielmehr über rechte Tendenzen im Osten Deutschlands und über andere politische Themen, auch über political correctness in der Literatur und im Theater.

Weißt du schon, welches Thema das Publikum im Februar erwartet?

Nein, das weiß ich tatsächlich noch nicht, denn es sind noch drei Wochen hin und wir versuchen eigentlich immer die Recherche möglichst zeitnah an der Sendung zu beginnen, damit es auch aktuell sein kann. Denn in Zeiten, die so schnelllebig sind wie heute, sind die News, die ich heute recherchiere, in zwei Wochen schon wieder völlig obsolet. Meistens recherchieren wir im Team mit einer bis anderthalb Wochen Vorlauf. Dann ackern wir aber ziemlich durch, neben der Arbeit, die wir sonst noch alle machen. Es gibt für Februar schon ein paar Ideen, aber das möchte ich lieber nicht vorweg nehmen, damit man sich nicht ärgert, falls es doch ein anderes Thema wird.

Wird es wieder Gäste geben?

Wir fanden die Erfahrung mit Gast sehr schön und jetzt müssen wir mal sehen, ob wir immer so unterhaltsame Leute finden wie Clemens Meyer – wahrscheinlich nicht. (lacht) Das wäre aber auch kein Problem, dann muss man das Gespräch nur anders vorbereiten und führen. Bei Clemens Meyer war klar, dass das jemand ist, der cool ist und der einfach losplaudern kann, auch ohne großartige Vorbereitung. Das wäre mit anderen Gästen natürlich anders. Jetzt schauen wir gerade, wen man für Februar holen kann, was auch vom Thema abhängt. Es gibt Ideen, aber auch das würde ich jetzt nicht verraten wollen, bevor es nicht spruchreif ist.

Es gab bei vergangenen Ausgaben auch schon Spiele und Mitmach-Aktionen: Wer denkst sich die Konzepte für die Show aus?

Es ist ein festes Schreiber-Team aus vier Leuten: Der Regisseur Alexander Eisenach, die Dramaturgin Sarah Lorenz, der Musiker Tim Golla und ich. Und auch die Spiele waren von uns erdacht.

Jonas, du spielst aktuell in folgenden Produktionen: All das Schöne, Andorra, Bis hierher lief’s noch ganz gut, Die Gerechten, Die Känguru-Chroniken, Die Physiker, Eine Stadt will nach oben – Folge 1 + 2, Geächtet, Im Westen nichts Neues und Tartuffe, die Proben zu Mephisto laufen. Wann bereitest du eigentlich die Zur Nacht Schau vor?

Ja, nachts. (lacht) Wir teilen das immer ein bisschen auf. Es gibt am Anfang immer einen Stand-Up-Part und dann so kleinere News, und das macht dann jeweils einer. Und dann setze ich mich meistens mit einem der anderen zusammen, und wir gestalten in einem großen Arbeitsblock von ungefähr drei Tagen, wovon ein Tag ausschließlich aus Recherche besteht und dann zwei Tage, wo man dann schon vier bis acht Stunden nur schreibt. Das machen wir dann meistens am Wochenende, oder wenn sich sonst Zeit findet. Es geht immer irgendwie, obwohl es auch immer knapp ist. Im Moment spiele ich schon sehr viel, aber das ist auch schön, weil die Stücke auch gut laufen, aber da wo Zeit bleibt, mache ich die Zur Nacht Schau.

Hast du eigentlich auch noch irgendwelche Hobbies?

Äh, gute Frage. Eher nicht, gerade. (lacht) Also, ich gucke ganz gerne Serien und gehe ganz gerne ins Kino, ab und zu spiele ich auch Play Station, wenn ich dazu komme. Aber sonst? Im Sommer spiele ich auch gerne Fußball oder Beachvolleyball, aber jetzt gerade nicht. Was auch eine Art Hobby ist, ist die Schauspiel Hannover Band, mit der ich ein paar Gigs im Jahr habe, auf die wir uns aber auch immer eher knapp vorher darauf vorbereiten. Aber sonst geht es mir, glaube ich, nicht viel anders als meinen Kollegen, die auch ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Dann bleibt eben nicht so viel Raum für andere Hobbies.

Im Mai debütierst du mit einem eigenen Theaterabend in Cumberland. Was kannst du darüber schon verraten?

Die Idee dazu kam eigentlich von Lars-Ole Walburg und wir wollten das Projekt auch eigentlich zusammen machen, jetzt gibt es aber dispositorische Schwierigkeiten und jetzt werde ich das allein inszenieren. Es wird ein Abend über Bob Dylan. Lars-Ole Walburg kam auf das Thema, nachdem Dylan letztes Jahr den Literatur-Nobelpreis bekommen hat, und wollte sich mit Dylan als Literaten und Poeten auseinandersetzen. Es wird natürlich auch ein musikalischer Abend, klar. Wir haben eine Band auf der Bühne. Ich habe den Ansatz, nicht seine Biografie nachzuerzählen, sondern mich interessieren die Verknüpfungen und Assoziationen, die das Werk und das Leben des Künstlers heute in mir hervorrufen. Ich denke, es wird ein collagenartiger Abend, ich möchte aber auch gerne mit den Schauspielern, die dann dabei sind, schauen, was sie an dem Künstler interessiert. Es wird also kein Infoabend über Bob Dylan mit Musik, sondern eher ein diskursiver und ich hoffe auch stimmungsvoller Abend, der Musik mit anderen Texten aus der Generation oder aus verschiedenen Richtungen verbindet. Ich möchte den Künstler, seine Biografie und sein Werk erlebbar machen.

Lieber Jonas, vielen Dank für das Gespräch.

Foto: Katrin Ribbe

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