Der Zufall als Prinzip. Bruno Brandes’ »In meiner Freizeit betrachte ich Universen« am 21.02. im [Writer’s Studio]

Notizen einer Unterhaltung mit Sarah Becker.

Der Zufall als Prinzip

Es gibt im Text die wiederkehrenden Figuren, die nur als A, B, C und D bezeichnet und nicht weiter charakterisiert werden. Im Text geht es selbst manchmal auch thematisch darum, dass die Figuren eben nicht so klar umrissen werden.

Auch mit seiner eigenen Beliebigkeit setzt sich der Text selbst auseinander, da geht es dann um die Parallelität, mit der dauernd unterschiedlichste Dinge gleichzeitig passieren, und die Beliebigkeit, die das erzeugt. Kausalitätszusammenhänge und Assoziativgesetze werden verhandelt, auch mal das Universum. Gleichzeitig wechselt der Text dann im nächsten Moment zum Beispiel zu Eissorten.

Eine erkennbare Geschichte oder ein inhaltliches Kernthema gibt es nicht, das möchte der Text auch nicht. Er spielt eher mit der Überforderung, dass so viele verschiedene Themen angerissen werden. Obwohl der Text beliebig wirkt, will er ziemlich viel.

Postapokalypse im Vorgarten

Viele Szenen spielen auf dem Land oder dem Dorf, in ausgestorbenen Landschaften, und haben dadurch etwas Postapokalyptisches. In dieser Landschaft haben die vier Figuren nichts (mehr) zu tun, außer sich zu unterhalten. Sie können nur noch an der Bushaltestelle sitzen und über den Schnee reden, oder im Motel am Stadtrand, im Vorgarten. Es kommt nichts Neues mehr, es stirbt alles so langsam aus.

Inszenierung der Form

Ich habe mich an der Form des Textes abgearbeitet und gefragt, was ich dem Text hinzufügen kann, was das Szenische an einer Lesung des Textes sein könnte.

Dadurch, dass die Szenen alle so in sich geschlossen aber unzusammenhängend sind, ist die Idee, die Form des Textes, also das Zufällige und Beliebige, zum Prinzip des Abends zu machen.

Das Bühnenbild wird eher clean, dafür orientieren sich die Kostüme an den Blumen, die im Text sehr oft vorkommen.

 

 

Bruno Brandes‘

Text In meiner Freizeit betrachte ich Universen gewann in der ersten Runde des [Writer’s Studio] im Januar 2019 den Publikumspreis und wird am 21.02. um 20 Uhr in Cumberland (klick) szenisch gelesen.

Sarah Becker

ist Regieassistentin am Schauspiel Hannover und hat auch im letzten Jahr beim [Writer’s Studio] inszeniert.

[Writer’s Studio]

Vier junge Autor*innen vom Literaturinstitut Hildesheim bekommen 2019 erneut die Möglichkeit, ihre Texte in professionellem Rahmen außerhalb ihres Seminars vorzustellen. Alexander Eisenach richtet erste Ausschnitte der neuen Texte mit Schauspieler*innen des Ensembles szenisch ein. Anhand dieser Auszüge entscheidet das Publikum mit, welche der Texte in den Folgemonaten in Gänze gelesen werden. Beim [Writer’s Studio] ergibt sich die Chance, das ein oder andere Überraschungstalent aus der Nachbarschaft zu entdecken, prompt mitzuerleben, wie neue szenische Texte sich aktuell entwickeln – und natürlich die Autor*innen kennenzulernen.

Mit Lisa Natalie Arnold, Carolin Haupt, Andreas Schlager und Günther Harder

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