»Die warten nur darauf, dass Leute wie du vorbeikommen, hörst du?« – Nitay Feigenbaums »Kauern« im »[Writer’s Studio]« am 18. April. Ein Interview mit Regisseur Jan Jordan.

„Die warten nur darauf, dass Leute wie du vorbeikommen, hörst du? Leute, die ihnen gestern entkommen sind, die sich die Nacht irgendwo versteckt haben und jetzt denken, sie könnten einfach so nach Hause spazieren. Die warten auf dumme Leute. Bist du dumm? Willst du Hundefutter werden heute?“ – Nitay Feigenbaums Kauern, eingerichtet von Jan Jordan.

Ein Interview.

 

Lieber Jan, am nächsten Donnerstag richtest du das nächste [Writer`s Studio] ein. Der Titel des Stückes ist Kauern, Autor ist Nitay Feigenbaum. Worum geht es für dich?

Im kurzen Einleitungstext schreibt Nitay Feigenbaum, das Stück würde in einer Kleinstadt in Deutschland und in der nahen Zukunft spielen. Es ist ein Kammerspiel und als solches auch klar untertitelt. Ein Mann mit Migrationshintergrund wird von einem Deutschen in seinem Keller versteckt, da ein aggressiver, rassistischer Mob hinter ihm her ist, um nur die Vorgeschichte kurz zu skizzieren und nicht zu viel vorher zu verraten. Es geht um die Frage der Wahrheit, um Vertrauen in der heutigen Zeit: Was kann ich glauben und wem? Was ist wahr? In welche Richtung entwickelt sich unsere Gesellschaft?

 

Das Stück ist sehr filmisch geschrieben, für einen Theatertext ungewohnt detailliert ausformuliert.

Ja, für mich ist es fast Drehbuch-artig. Die Qualität liegt aber vor allem darin, dass egal welche Schleifen und thematischen Ausflüge der Autor unternimmt und dem Stück einschreibt, man immer wieder vor der gleichen Frage steht: Was/wem kann ich glauben und wo stehe ich selbst überhaupt?

 

Wäre auch eine Frage, die sich stellt: Wie würde ich mich in so einer Situation verhalten?

Ja, auf jeden Fall, aber auf beiden Seiten: Für denjenigen, der versteckt wird und für denjenigen, der die Zuflucht anbietet. Aber zusätzlich auch mit der dritten Figur, die am Ende auftritt, Emma. Sie ist die Nachbarin und erzählt eine ganz andere Wahrheit von der Außenwelt. Sie bringt eine neue Parallelwelt ins Spiel und das Spannende ist: Wir wissen nicht, wie es ausgeht und was wirklich im Draußen passiert. Wir können nur glauben, was uns die Figuren erzählen.

 

Wie gehst du mit dem doch sehr genauen Realismus des Textes um?

Ein Ansatz ist, dass ich mir prägnante Momente heraussuchen werde. Ich werde keine Live-Kamera auf der Bühne einführen, um das Filmische hervorzuheben und zu unterstreichen, ich will eher auf den Text vertrauen. Da finde ich es eher spannend, sich ein Prinzip des Films abzugucken: schnelle Schnitte, Dynamik, schnelle Wechsel, Rhythmus.

 

Warum sollen die Leute alle kommen am Donnerstag?

Weil Nitay ein spannender Autor ist und er einen Text geschrieben hat, dem man sich schwer entziehen kann.

Das Interview führte Anna-Katharina Müller

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