Freistil – zur letzten Runde »[Writer’s Studio]« am 29.05.

Am 29. Mai endet das Cumberland-Experiment [Writer’s Studio], das in Kooperation mit dem Institut für Literarisches Schreiben & Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim in der Spielzeit 2017/18 entstand.

Für alle Neuland: Für die teilnehmenden Studierenden, deren Texte innerhalb ihres Kurses nicht nur in der eigenen Textwerkstatt, sondern auch vom dramaturgischen Team des Schauspiels besprochen wurden; die sich zusätzlich dem Cumberland-Publikum stellten und ihre Texte innerhalb eines halben Jahres als szenische Lesungen plötzlich in der Cumberlandschan Galerie sahen. Auch für Cumberland eine spannende Zeit, denn was die Studierenden an Text produzierten, war völlig frei, und die Einrichtung für die Galerie lag bei den Regie- und Bühnenbildassistent*innen des Schauspiels.

Zweimal Freistil, zweimal gewonnen. Zwei Runden unverbrauchter Texte und kühner Ideen in der Galerie. Zum Abschluss fragen wir Jorinde Markert und Jelena Kern, wie es denn ist, seinen Text plötzlich in den Händen, Augen und Ohren Vieler – Dramjaturg*innen, Regisseur*innen, Schauspieler*innen, Bühnenbildner*innen und nicht zulette dem Publikum – zu wissen.

Was reizt euch am [Writer’s Studio]?

Jorinde: Ich habe einen Aushang in der Uni gesehen und war eigentlich schon zwei Tage über der Abgabefrist für Auswahltexte. Ich habe dann 10 Seiten Text und ein Exposé in einem Tag zusammengeschrieben, weil ich dachte, dass das das Allergeilste ist, was man an der Uni machen kann: Schon im ersten Semester aus der Uni rauszugehen, in ein Theater hinein.

Jelena: Zugegebenermaßen bin ich ein Fan von den Seminaren Saskia Nitsches. Nur selten werden Theorie und Praxis derart inhaltsvoll miteinander verbunden. Die gemeinsame Arbeit in den Textwerkstätten ist immer sehr konzentriert, der Umgang mit allen Texten sehr wertschätzend.

Wie unterscheiden sich eure Textwerkstätten an der Uni von dem, wie ihr mit den Dramaturgen an euren Texten arbeitet?

Jorinde: In Textwerkstätten ist die Mission, herauszufinden was der Text will und dem Text dabei zu helfen zu werden, was er werden möchte. Wir sind sehr bemüht, den Selbstzweck und Wunsch des Textes zu erfüllen. Wenn wir dann mit einem Text ins Schauspiel kommen merke ich immer, dass es hier viel mehr darum geht, ob der Text »funktioniert«. Kann er unterhalten, kann er sich verständlich machen, kann er über zwei Stunden Vorstellung tragen?

Jelena: Fragen, die wir uns in den Werkstätten eher hintergründig stellen, sind, ob und inwiefern ein Stück auf einem Spielplan Platz findet, oder wie sich sein Inhalt prägnant in nur einem Satz zusammenfassen lässt. Die dramaturgische Sicht kann sehr dabei helfen, das eigene Anliegen zu formulieren und zu konkretisieren, z.B indem ein thematischer Schwerpunkt gesetzt wird.

Woraus entsteht für euch Aufregung, wenn eure eigenen Texte von jemand anderem Inszeniert werden?

Jorinde: Es gibt bei jedem Lesen bereits Stellen, von denen man beim Schreiben schon wusste, dass man sie nicht gesprochen hören möchte; aber man hatte dann nicht die Zeit oder die Inspiration, den Text auszubauen oder umzubauen. Diese Stellen dann von professionellen Schauspielenden vor einem Publikum zu hören ist einfach beklemmend. Man wusste vorher schon, dass die Stelle furchtbar klingen wird – so geht es zumindest mir. Ich denke dann bei der Aufführung die ganze Zeit an diese Stelle. Für mich ist dann die Reaktion des Publikums total wichtig und ich achte sehr darauf, ob die Spannung im Raum abnimmt. Ich habe auch Angst davor, dass etwas falsch gesagt oder betont wird und eine ganze Textstelle dadurch, in meinen Augen, »kaputt« ist. Kontrolle abgeben und unausgereifte Stellen aushalten sind wirklich das Schwierigste.

Das Interview führte Gila Hofmann

[Writer’s Studio] zum letzten Mal am 29. Mai 2019 um 20 Uhr in Cumberland.

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