Das Nachleben eines Prozesses. Protokolle zum NSU in der MONTAGSBAR

Ein Prozess, der seinesgleichen sucht. Von Mai 2013 bis Juli 2017 wurden Beweise aufgenommen, Zeugen gehört, Befangenheitsanträge gestellt, Akten verlesen, Sachverständige befragt, Untersuchungen eingeleitet, immer wieder pausiert und wieder aufgenommen. Im Zentrum des Interesses: Beate Zschäpe, Mitglied im Trio des so genannten “Nationalsozialistischen Untergrunds”, kurz NSU. Der Prozess sollte feststellen, ob sie aktiv an den zehn Morden, 43 versuchten Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und 15 Raubüberfällen der Terrorzelle beteiligt war. Mit ihr waren vier Männer angeklagt, die der Terrorzelle unter anderem mit der Beschaffung von Waffen, Krankenkassenkarten und Personalausweisen halfen, ihr Leben im Untergrund aufrecht erhalten zu können.

Im sechsten Jahr fiel das Urteil – aber viele Fragen blieben offen. Wie konnte das Trio so lange im Untergrund agieren, ohne enttarnt zu werden? Warum wurde zur Aufklärung der Morde kaum in der rechten Szene ermittelt? Wie konnten immer wiederkehrende Zeugenaussagen zu jungen, schwarz gekleideten Radfahrern nicht ernst genommen werden? Was lief schief an der Arbeit der V-Leute in den rechten Szene? Wie ahnungslos oder naiv waren die Mitangeklagten tatsächlich? Warum wurde der Prozess durch teilweise abstruse Irr- und Umwege derart verlängert? Wie veränderte sich der Prozess vom ersten ins sechste Prozessjahr? Was sagt uns dieser beispiellose Prozess über die Feststellung einer Schuldfrage hinaus über unsere Demokratie, was über Deutschland und seine NS-Vergangenheit?

In dieser Montagsbar spüren wir diesen und anderen Fragen nach. Jedoch ohne sie zu stellen. Wir lesen aus den vom SZ Magazin erstellten Protokollen, die einen Ausschnitt aus den 438 Prozesstagen darstellen. Gekürzt, aber ansonsten unverändert.

Das Nachleben eines Prozesses. Protokolle zum NSU.
Eine Montagsbar von Anna-Katharina Müller und Ulrike Eberle

18. Februar, 21 Uhr, Cumberland. TICKETS

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