SING DELA SING – ein neues Format in Cumberland

Am 3. Dezember startet in Cumberland ein neues Format, das in Berlin, Leipzig, Magdeburg und Hamburg bereits mit großem Erfolg läuft: Sing dela Sing. Wir haben vorab schon mal mit Gunter Papperitz gesprochen, der bei Sing dela Sing die musikalischen Fäden in der Hand hält.

Was erwartet das Publikum am 3. Dezember in Cumberland?

Es geht darum, dass Cem (Sänger Cem A. Süzer – die Red.) und ich mit den Leuten singen. Ich spiele Klavier, bin also die komplette Band, und Cem singt vor. Die Songtexte werden projiziert. Keiner braucht sich also Gedanken darüber zu machen, ob er die Texte kennt oder nicht. Alle können sofort loslegen. Wir singen gemeinsam Songs, die aus dem Radio bekannt sind. Denn Chöre, Kirche und Fußballstadien gibt es ja schon und wir wollten gemeinsam Lieder singen, die die Leute im Ohr haben. Aktuelle Hits waren z. B. I see fire von Ed Sheeran, Something Just Like This von Coldplay oder Counting Stars von One Republic. Aber es gibt natürlich auch Songs, die schon ein bisschen älter sind, weil wir uns immer freuen, wenn die Leute die Songs gut kennen. Also von Abba bis Avicii ist alles dabei.

Wie kamt ihr auf die Idee für Sing dela sing?

Die Idee kam mir auf einer Geburtstagsparty. Das ist ja manchmal für professionelle Musiker vermintes Terrain. Wenn ein Instrument in der Ecke steht, dann wird man möglicherweise aufgefordert zu spielen – was natürlich nicht unbedingt das ist, was man auf einer Party will, weil man das ja schon beruflich macht. So war es damals auch: Irgendwann saß ich am Klavier, habe aber schnell gemerkt, dass die Leute alle mitsingen und es wurde ein ganz fantastischer Abend. Denn ich habe dreieinhalb Stunden für die Leute gespielt, die haben sich immer neue Songs gewünscht und wie wild Texte auf ihren Telefonen rausgesucht. Als ich am nächsten Tag wieder halbwegs klar denken konnte, dachte ich, dass es eine schöne Sache wäre, das mal mit mehr Leuten auszuprobieren. Daraus ist dann Sing dela Sing geworden.

Wie viele Ausgaben gab es schon?

In Berlin, wo wir das seit zwei Jahren machen, gab es bis jetzt 24 Ausgaben. Mit den anderen Städten zusammen also insgesamt ungefähr 45 bis 50 Ausgaben.

Wer ist das typische Publikum? Verhinderte Goldkehlchen? Versierte Chorsängerinnen? Verschämte Duschsänger? Oder doch die Party- und Stadiongröler?

Lustigerweise haben wir von allem was dabei. Wir haben eine große Altersspanne, ich glaube der jüngste Besucher war fünf und der älteste war sicherlich schon knapp 80, aber das Kernpublikum ist zwischen 25 und 39 Jahren alt. Im Moment sind noch mehr Frauen dabei, die lassen sich einfach besser zum Singen motivieren. Aber die Männer checken auch langsam, dass das total Spaß macht und deswegen nimmt der Anteil an Männern immer mehr zu. Vorbildung ist nicht nötig, deswegen kann jeder mitsingen. Und es macht total Spaß, weil man sich nicht blamieren kann. Man kann sofort einsteigen, und da es eine Art musikalische Schwarmintelligenz gibt, klingt es auch immer großartig. Manchmal fragen uns Leute, ob wir nicht schlechte Sänger, die ganz laut singen, heraushören würden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Was wir manchmal hören ist, wenn „Profis“ im Publikum sind, die besonders gut singen können. Da denkt man dann: „Ah, da singt jemand eine zweite Stimme“ und das ist dann schon auffällig. Aber sonst ist das war für jedermann und jedefrau, wenn nur die Begeisterung fürs Singen da ist.

Was war das bisher beste Erlebnis?

Eigentlich ist jeder Abend ein fantastisches Erlebnis, weil unsere Aufregung im Vorfeld sehr groß ist. Es ist ja kein Konzert, das heißt ohne die Leute funktioniert es nicht. Also stehen wir immer vor dem Auftritt hinter der Bühne und denken: „Was passiert denn, wenn heute keiner singt? Wenn die Leute heute keinen Bock darauf haben? Wenn sie die Lieder nicht kennen und nicht einsteigen können? Wenn sonst irgendwas ist?“ Das ist aber zum Glück noch nie passiert. Es ist eigentlich immer ein totaler Flash, wenn man dann zusammen mit Menschen musiziert, die noch nie vorher Musik gemacht haben. Aber es gab auch schon mal ein paar Besonderheiten. Auf einem Konzert tauchte Anna Naklab auf, die mit dem Cover von Supergirl bekannt wurde. Die stand auf der Teilnehmerliste und wir hatten das Lied zufällig im Programm. Ich hab dann gefragt, ob Anna Naklab im Publikum ist und ob sie Lust hätte, das Lied mit uns zu singen. Und dann kam diese mir privat völlig unbekannte Dame nach vorne und hat als Originalsängerin das Lied mit uns gemacht. Das war toll. Das ist danach auch noch ein paar Mal passiert. Katharina Franck war mal da, die hat Blueprint gesungen. Das war auch was Besonderes, als wirklich die Originalstimme, die den Song 1988 geschrieben und gesungen hat, bei Sing dela Sing war. Die Leute sind schier ausgerastet.

Gab es auch mal einen Song, der überhaupt nicht funktioniert hat?

Es gab eine Situation, wo es tatsächlich überhaupt nicht funktioniert hat. Da haben wir unser Leipziger Publikum mit Maschin von Bilderbuch konfrontiert, und das mochten die nicht, kannten die nicht, und wollten die auch nicht lernen. Dann haben wir gesagt: „Na gut, wir sind überstimmt, machen wir eben das nächste Lied.“ Aber ansonsten gab es das noch nie. Es gibt für jedes Lied eine kritische Masse von Leuten, die es kennt oder lernen will. Als Cluesos Achterbahn rauskam, kannte das noch kein Mensch und wir haben dann gefragt, wer es kennt und dann gingen nur ein paar Arme hoch. Wir haben es dann trotzdem mit den Leuten gemacht. Im Chorus fingen die ersten an zu singen, in der zweiten Strophe haben schon die meisten Leute mitgesungen und beim zweiten Chorus waren alle dabei. Und am Ende haben sich alle gefreut, dass sie ein Lied gelernt haben und wie schnell das ging. Wenn eine gewisse Masse an Leuten das macht, dann geht das Rubbel-die-Katz, Schwarmintelligenz ist nichts dagegen.

Wie stellt ihr das Programm zusammen?

Das Programm machen wir ganz streng nach einer Regel, nämlich nach unserem Geschmack. Wir haben irgendwann festgestellt, dass wir beide keine Lust haben, Sachen zu spielen, die wir nicht mögen. Deswegen gibt es da ein paar weiße Flecken, die wir einfach nicht behandeln, weil wir uns darauf nicht einigen können.

Sind auch Wunschtitel möglich?

Wir werden immer wieder mit Wünschen konfrontiert. Leute schreiben uns, dass sie dieses oder jenes Lied ganz toll finden, und manchmal entdecken wir dann auch etwas Neues, denn wir können ja auch nicht alles kennen. Und manchmal sind es auch Sachen, die wir kennen, aber noch gar nicht draufhatten und dann denken: „Ach ja, die Band gab es ja auch noch!“ Gerade neulich hat sich jemand Won’t Forget These Days von Fury in the Slaughterhouse gewünscht, und das haben wir dann auch gemacht.

Glaubst du, dass es viele „verhinderte Sänger*innen“ gibt?

Das gemeinsame Singen ist einfach so ein bisschen aus der Mode gekommen. Ich glaube, das hat ein bisschen mit dem Repertoire zu tun und den Umständen, in denen man dazu aufgefordert wird oder in denen das möglich ist. Nämlich in der Kirche, im Fußballstadion oder im Männergesangsverein. Das sind alles Institutionen, die total ihre Berechtigung haben und das wirklich gut machen. Die sind ja auch schon erprobt über die Jahrhunderte – allerdings klingt das manchmal auch so ein bisschen wie 1850. Da kommt man nicht drum herum, auch eine Zeitreise zu unternehmen. Und das wollen wir ändern. Wir erweitern sozusagen das Angebot um einen Ort, wo man gemeinsam singen kann und sich nur um Repertoire kümmert, das im Moment gerade in aller Ohren ist.

Aber du weißt schon, dass Hannover eine riesige Chorstadt ist?

Ja, und das will ich auch gar nicht schmälern und finde das auch super! Aber wir wollen das Singen auch verpflichtungsfrei machen. Das war auch einer unserer Ansätze: Man kann anstatt ins Kino auch zu Sing dela Sing gehen. Man muss keine Noten lesen können, man muss nicht üben, man muss nicht regelmäßig kommen, man muss nicht auf eine Aufführung hinarbeiten, sondern man geht da hin und singt zusammen. Das ist ein bisschen selbstverständlicher. Das ist der andere Anreiz für diejenigen, die sich nicht verpflichten wollen, aber trotzdem gerne singen. Das hören wir in Berlin sehr häufig, dass Leute sagen „Ich wollte schon immer mal wieder in einen Chor gehen, aber um da regelmäßig hinzugehen, dafür fehlt mir dann doch die Hingabe.“

Was entgegnest du Menschen, die sagen, „ich kann aber gar nicht singen“?

Dann sollte man das mal wieder ausprobieren und unbedingt zu Sing dela sing kommen. Und wenn man dann feststellt, dass man wirklich keinen Spaß am Singen hat, dann kann man sich daran erfreuen, wie die anderen singen und sofort glücklich werden. Wir haben z. B. in Berlin eine Besucherin, die sehr regelmäßig kommt und die selber von sich sagt, dass sie nicht mitsingt. Ich habs nicht überprüft, denn ich seh sie nicht, wenn ich spiele. Aber sie kommt nach dem Konzert immer freudestrahlend auf uns zu und sagt: „Mensch, nach fünf Minuten waren alle wieder glücklich und das guck ich mir bei euch gerne an.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Das neue Format Sing dela Sing startet am Montag, 3. Dezember um 20 Uhr in Cumberland, Tickets kosten 12 €.

Foto: Sänger Cem A. Süzer und Pianist Gunter Papperitz; Copyright: Bernd Schönberger

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