UNORTHODOX – Uraufführung am 26. Januar 2019

Auf einer Busreise im vergangenen Sommer las ich den Debütroman von Deborah Feldman, Unorthodox. Die Spielzeitferien wollen schließlich zur adäquaten Vorbereitung auf die kommenden Premieren genutzt werden. Neben mir im Bus saß ein jungen Mann, Caleb, aus den USA. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir, dass er Jude sei und man in den USA ein Stipendium beantragen könne, um als junger Mensch nach Israel zu fahren und sich das Land anzusehen. Er hatte seinen Aufenthalt nach der religiösen Bildungsreise noch um einige Wochen ausgeweitet und fuhr nun, wie ich, von Budapest nach Zagreb. Ich erzählte ihm von dem Roman und den ungewöhnlichen Bräuchen der chassidischen Satmar-Gemeinde, die in Williamsburg, New York, abgeschirmt vom urban-globalen Puls der Metropole, ihren ultraorthodoxen Glauben ausüben. Ihm waren ultraorthodoxe Gemeinden bekannt, aber von den Satmarern hatte er noch nie gehört. Ich erzählte ihm von den (zunächst) Kuriositäten (Deborah darf ab einem gewissen Alter keine Wollpullover mehr direkt auf der Haut tragen, sondern eine Bluse muss dazwischen, zuhause wird nur Jiddisch gesprochen und um weltliche Bücher auf Englisch zu lesen muss Deborah sie in einem ausgeklügelten System unter ihrer Matratze verstecken).  Er schüttelte den Kopf. Die Busfahrt ging ein paar Stunden, ich las weiter. Als Deborah ihre erste Mikwe machen muss, ein rituelles Bad nach der Menstruation, stellten sich mir vor Ekel die Nackenhaare auf. Caleb kannte den Brauch und war erschrocken darüber, dass er wirklich noch immer gepflegt wird. Als Deborah dann völlig unaufgeklärt mit ihrem Ehemann, den sie zuvor nur zweimal gesehen hatte, in der Hochzeitsnacht aufeinandertrifft, und das mit der Schwangerschaft nicht so schnell klappen will, weil sie gar nicht weiß, wo “da unten” eigentlich eine Öffnung sein soll, und die Gemeinde sie daraufhin immer mitleidiger ansieht, war ich vollends entsetzt. Caleb auch. Er winkte schon ab, damit ich ihm nicht noch mehr Schauergeschichten erzähle.

Es war schon interessant zu sehen, dass diese ultraorthodoxen Juden ihr komplett eigenes Ding durchziehen, unbeachtet von der Öffentlichkeit, sogar von Menschen desselben Glaubens. Bis jetzt. Denn Deborah Feldmans autobiografischer Roman ist viel mehr als ihr persönlicher Befreiungsschlag. Es ist ein Aufdeckungs-, ein Aufklärungsbuch. Ihr Ausbruch aus der Gemeinde – sie war tatsächlich eine der ersten Frauen, die das mit ihrem Kind zusammen tat – hat zu Diskussionen geführt, die hoffentlich zu einem schrittweisen Umdenken führen.

Am 26. Januar feiern wir in Cumberland die Uraufführung des viel beachteten Romans. Swantje Möller erzählt die Geschichte mit zwei Frauen, Susana Fernandes Genebra und Lena Sophie Vix. Sie sind zwei Seiten eines Mädchens, einer jungen Frau. Dieser weibliche Blick auf diese Lebensgeschichte öffnet die Erzählung in größere Dimensionen. Es ist eine Inszenierung weiblicher Selbst-Ermächtigung. Wir dürfen gespannt darauf sein.
Ulrike Eberle

UNORTHODOX nach dem Roman von Deborah Feldman
Uraufführung: 26. Januar 2019, Cumberland
Weitere Vorstellungen: 31.01., 08.02., 17.02., 27.02. weitere Termine folgen

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