»Wenn er seine Stimme erhebt, wird es still« – Dieter Hufschmidt liest zum letzten mal aus »Dr. Faustus«

Was für ein Werk! Was für eine Leistung!

Seit April 2017 hat Dieter Hufschmidt aus Thomas Manns epochalem und progressiven Roman Doktor Faustus gelesen. 19 Mal hat er das kleine Podest in Cumberland betreten – und am 5. Mai wird er es zum letzten Mal tun. Wenn Dieter Hufschmidt die Stimme erhebt, wenn er flüstert, wenn er laut wird, wenn er ruft, wenn er schweigt, dann geht nicht nur ein wundersamer Hall durch die Cumberlandsche Galerie, nein: Dann sind alle Anwesenden verstummt. Gebannt hören sie Hufschmidts Interpretation dieses Wahnsinnswerkes, kein Gläserklirren ist mehr zu hören, kein Stühle rücken. Man lauscht und wird mitgenommen in die Geschichte Adrian Leverkühns, erzählt von einem Freund. Thomas Mann berichtet darin von einem Musiker, der nach dem Höchsten strebt und schließlich auf den größten Verführer der Literaturgeschichte trifft: Den Teufel. Sein Wunsch wird erfüllt, doch der Preis ist hoch…

Erst nebensächlich, dann immer bedrohlicher, ist während der Geschichte der aufkommende Nationalsozialismus zu spüren – den Thomas Mann in seinen Ursprüngen und Anfängen dem Bürgertum zuordnet.

Wir verneigen uns vor Dieter Hufschmidt, der ein ganz großer Erzähler ist. Was ist die Zeit? – Ein Geheimnis, wesenlos und allmächtig.

 

Text von Anna-Katharina Müller

Bild von Katrin Ribbe

Hufschmidt liest: Dr. Faustus zum letzten Mal am 05.05. um 17 Uhr in Cumberland

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