Here we are again! Das [Writer’s Studio] geht ab 29. Januar in die nächste Runde!

Nachdem wir in der vergangenen Spielzeit vier wunderbar-verschiedene Texte in vier ganz unterschiedlichen szenischen Umsetzungen gesehen haben, läuten wir ab 29. Januar die zweite Runde des [Writer’s Studio] ein. Studierende des Literaturinstituts Hildesheim arbeiten seit Oktober 2018 an ihren Texten, wovon vier auch in dieser Spielzeit von den Regieassistent*innen eingerichtet werden. In intensiven Werkstattsessions wachsen die Texte der Studierenden; mal trifft man sich im Schauspielhaus, mal wird im heimischen Hildesheim weitergeschrieben. Diese Treffen zeigen, wie unterschiedlich die Schreibstile der jungen Autor*innen sind. Was bereits jetzt bei allen Texten auffällt, ist ein sehr politischer Zugriff, oft auch ein dystopischer Blick in die Zukunft bzw. die direkte und unmittelbare Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart und Vergangenheit. Um die Autor*innen ein bisschen besser kennenzulernen, haben wir ihnen drei Fragen gestellt.

Und schon jetzt zum Vormerken: Am 29. Januar findet der Kick-Off aller Texte statt. Regisseur Alexander Eisenach, der gemeinsam mit der Dozentin Saskia Nitsche vom Literaturinstitut und der Dramaturgin Anna-Katharina Müller den Schreibprozess begleitet hat, richtet kurze Auszüge der Texte szenisch ein. Schauspieler*innen des Ensembles werden lesen. Am 21. Februar zeigt Regieassistentin Sarah Becker den Publikumsliebling, der im Januar gekürt wurde.

 

ROBERT BOHNE

# Warum schreibst Du und wofür?

Ich schreibe, weil es mir Spaß macht. Besonders beim Szenischen Schreiben habe ich die Möglichkeit mit Sprache zu experimentieren und sie auf der Bühne lebendig werden zu lassen.  Außerdem ist das Szenische Schreiben eine für mich zugängliche Form Diskurse, Themen und Phänomene zu verarbeiten.

# Was treibt Dich an?

Bis jetzt treibt mich der universitäre Kontext an. Es ist schön, sich ausprobieren zu können und die Möglichkeit zu haben, Texte im Rahmen des Studiums zu verfassen.

# Wie sieht der Ort aus, an dem Du am liebsten schreibst?

Ein Ort an dem man rauchen kann. Meistens kommen mir die besten Ideen im Zug oder nach einer Party auf dem Weg nach Hause.

BRUNO BRANDES

# Warum schreibst Du und wofür?

Seelenfrieden.

# Was treibt Dich an?

Kapitalismus.

# Wie sieht der Ort aus, an dem Du am liebsten schreibst?

Internet, Grill Royal, Blumenwiese

NICOLE COLLIGNON

# Warum schreibst Du und wofür?

Ich schreibe, um Gemeinsamkeiten zu finden. Für mich ist das Schreiben die einfachste Art, mit anderen Menschen etwas teilen zu können. Es bildet eine Münze von Verstehen und Verstanden-werden. Es ist eine Art, mich zu reflektieren und andere auf ihre Eigenheiten und ihre inneren Vorgänge zu stoßen.

# Was treibt Dich an?

Ich will gern sehen, aus welcher Essenz meine Knochen bestehen, aus welchem Mark ich gemacht bin. Wenn ich (vielleicht, möglicherweise) ein Gefühl in Jemand anderem anstoßen kann, erfülle ich mein menschliches Sehnen nach Kommunikation. Ich finde es faszinierend, wie Sprache funktioniert – wie Sprichwörter in verschiedenen Sprachen funktionieren und welche Bilder in unseren Köpfen ähnliche Gefühle anstoßen – ob wir denn nun wirklich, wenn wir Deutsch sprechen, die eine Sprache haben oder in anderen Deutungseinheiten verstehen lernen; das heißt, ein Bild aufgrund vorheriger Ergebnisse immer abgetrennte und eigene, nicht übertragbare Gedankengänge in einer anderen Person auslöst. Deswegen interessiere ich mich auch für Lyrik und assoziative Sprache, die eine Gemeinsamkeit im Denken oder Fühlen der Menschen gleichzeitig vorauszusetzen und infrage zu stellen scheint.

# Wie sieht der Ort aus, an dem Du am liebsten schreibst?

Ich schreibe gerne während der Fahrt auf Autobahnen. Sehr gerne neben lieben Blablacarfahrern. Ansonsten auf meinem Schreibtisch oder im Bus.

NITAY FEIGENBAUM

# Warum schreibst Du und wofür?

Ich möchte die Geschichten erzählen, die in meinem Kopf herumwuseln.

# Was treibt Dich an?

Ich verstehe den Unterschied zur ersten Frage nicht ganz. Ich werde von wuselnden Geschichten angetrieben.

# Wie sieht der Ort aus, an dem Du am liebsten schreibst?

Ich sitze gern. Es gibt also einen Stuhl.

JORINDE MARKERT

# Warum schreibst du und wofür?

– Um ab und zu meine Stimme zu schonen.

– Um ab und zu meine Ruhe zu haben.

– Um mich für Dinge zu interessieren.

– Für’s Theater, das heißt in meiner Vorstellung: für Menschen, die den Text verwandeln, verkörpern, verbildlichen

– für unser Unijournal

– für Geld

# Was treibt dich an?

– Die Vorstellung, dass im Theater ein kollektives Arbeiten an neuen politischen und ästhetischen Perspektiven möglich ist.

– die Ahnung, dass im Theater mit dem Material Körper eine andere Wirklichkeit geschaffen werden kann.

– die Utopie, dass das Theater im Zusammenbruch infrastruktureller und sozialer Ordnungen der Ort sein wird, wo man kostenlos Gespräche und Filterkaffee an der Feuertonne kriegt.

# Wie sieht der Ort aus, an dem du am liebsten schreibst?

– Es mag gruselig klingen, aber am liebsten schreibe ich in den Zimmern anderer Menschen, wenn diese nicht zuhause sind. (Ihre Katze dürfen sie gerne dalassen). Natürlich auf jeden Fall allermeistens nur mit Zustimmung der Person.

JELENA CAROLINA KERN

# Warum schreibst Du und wofür?

Das Schreiben ist für mich Ausdrucksform und Selbstgespräch zugleich. Ich schreibe um des Schreibens willen, dem Prozess und seiner Artikulation zuliebe. Jedes Geschehen, jeder Vorgang, jedes Phänomen, jeder Moment, jeder Sinneseindruck kann dafür potenziell impulsgebend sein, Inspiration für ein größeres Projekt liefern, oder ein kleines Notat, einen Satz, hervorbringen. Das schärft den Blick, macht wachsam und stiftet Sinn. Jedes Geräusch, jeder Blick, jedes Werbeschild, jedes Wort hat seine eigene Qualität, eine eigene Textur, einen eigenen Rhythmus und Klang, spannt einen eigenen Bedeutungsrahmen. Den gilt es auszuloten, zu entkoppeln, anzunehmen oder zu verfremden. Ich liebe es, mit all diesen Parametern zu experimentieren, herum zu tüfteln. Das Schreiben gibt mir eine enorme Freiheit und ist gleichzeitig derart begrenzt, z. B. auf sprachliche Mittel und Textform. Von nichts als Buchstaben auf Papier, deren Aneinanderreihung Bilder und Inhalt evozieren, entwickelt sich Wirklichkeit. Das fasziniert mich sehr.

Herta Müller hat einmal gesagt, dass sie beim Schreiben immer die Nebengedanken mitdenkt, die ihr viel bedeuten, auch wenn sie schon tot sind – oder besonders dann, wenn sie tot sind. Ich glaube, ich kann das – auf eine seltsame Art – sehr gut nachvollziehen. Zumindest habe ich manchmal das Gefühl, mehr für die Toten zu schreiben, als für die Lebenden. Das mag albern und aufgesetzt klingen, aber irgendwie ist es, auf eine krude Weise, wahr.

# Was treibt Dich an?

Mit jedem Satz macht sich eine neue Welt auf. Eine Welt, die ich so zuvor vielleicht nicht kannte. Die mich vor neue Herausforderungen stellt. Das Schreiben gibt mir die Möglichkeit dem Chaos eine Ordnung zu geben, es in eine Form zu gießen, Eindrücke zu verarbeiten, ihnen ein Gewand überzuziehen, Figuren aufleben zu lassen, die dann, wenn es gut läuft, selbstbestimmt ihres Weges gehen. Ich werfe sie in Situationen, konfrontiere sie, und erfahre so viel Neues. Wahrscheinlich ist es eine unbeirrbare, kindliche Neugierde, die mich antreibt. Die mich wundern und staunen lässt, über derartige Phänomene. Ich mag die Artisterie, den Unsinn. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir nicht vergessen, Spaß an der Sache selbst zu haben. Dinge nicht aus einer Zielgerichtetheit zu tun, sondern weil in ihnen selbst so viel Magie steckt.

# Wie sieht der Ort aus, an dem Du am liebsten schreibst?

Ich sitze selten still beim Schreiben. Oft sitze ich im Zimmer am Boden, 10 Minuten später wieder am Schreibtisch, wieder am Boden, wieder am Schreibtisch, Boden, Schreibtisch, Boden, Schreibtisch, ein kurzer Spaziergang, eine Stunde im Café, nach Hause, Boden, Schreibtisch, Boden, Schreibtisch. Und die besten Momente kommen dann, wenn ich sie nicht erwarte, auf dem Weg zur Toilette oder kurz vorm Einschlafen, dann, wenn ich nichts zum Schreiben parat habe.

MAX REINIGER

# Warum schreibst Du und wofür?

Ich finde der Theatertext ist ein interessantes Medium, weil der zwar für sich ein abgeschlossenes Werk ist, aber vor allem als Teil einer Aufführung »konsumiert« wird.

# Was treibt Dich an?

Mich interessiert, wie Wirklichkeit geschaffen wird und da ist Text ja ein Beispiel für und Theateraufführungen auch.

# Wie sieht der Ort aus, an dem Du am liebsten schreibst?

Ist mir nicht so wichtig, ich kann immer. ✌️

BEATRIX RINKE

# Warum schreibst Du und wofür?

Für das Recht auf Schlaf.

# Was treibt Dich an?

Es können ganz kleine Dinge sein, wie zum Beispiel die Entdeckung eines Objekts. Schlafrucksäcke, Airbags für den Kopf und Menstruationstassen faszinieren mich. Genauso sind es Begegnungen, Emotionen und gesellschaftlich relevante Themen (wie der Schlaf), die mich inspirieren und nicht mehr loslassen. Aus diesen Elementen entstehen meine Figuren und Geschichten.

# Wie sieht der Ort aus, an dem Du am liebsten schreibst?

Dieser Ort liegt in einem der Zentren Europas: Litauen. Dort bewohne ich in der Altstadt von Vilnius eine kleine Wohnung, die in einen dauerhaft verschneiten Hinterhof blicken lässt. Am liebsten sitze ich dort an meinem Schreibtisch und lasse meine Gedanken bis zu dem alten Mann im ersten Stock des Hinterhauses schweifen, mit dem ich Briefe und Weihnachtsschmuck austausche. In schlaflosen Nächten schreibe ich auch gerne in meinem Bett.

Aufgezeichnet von Anna-Katharina Müller.
Foto: Katrin Ribbe
Tickets für das [Writer’s Studio] gibt es HIER.

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